Schülerinnen und Schüler der Klassen 8-10 gedachten gemeinsam mit Mitgliedern des Heimatvereins am internationalen Holocaust-Gedenktag der Opfer des nationalsozialistischen Terrors. Der Tag erinnert an die Befreiung des größten NS-Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch sowjetische Truppen am 27. Januar 1945 — vor 81 Jahren — und wird seit 2005 begangen.  Die Inselgemeinde flaggte anlässlich des Gedenktages am Rathaus halbmast. 

Als Ort der Gedenkveranstaltung auf Langeoog wurden die drei Stolpersteine gewählt, die 2024 auf Langeoog in Gedenken an die jüdischstämmige Familie de Heer verlegt wurden (Langeoog News hatte mehrfach berichtet, u.a. im aktuellen Langeoog News Magazin). Ansprachen kamen von Peter Wettstein, 2. Vors. des Heimatvereins, und Petra Ahrenholz, Leiterin der Inselschule. Die Schüler:innen hatten mehrere eindrückliche Texte zum Thema vorbereitet. Margret Sjuts (Heimatverein) legte Blumen nieder, zunächst an den Stolpersteinen selbst, später auf dem Schild mit den Erläuterungen zum Schicksal der Langeooger Familie de Heer. Die Stolpersteine und die erläuternde Tafel findet man am Fuße des Wasserturms gegenüber der Buchhandlung Krebs. 

Die Klassen 9 und 10 der Inselschule kümmern sich seit der Stolperstein-Verlegung im Juni 2024 um den Erhalt der Gedenkstätte. Beispielsweise werden die Steine regelmäßig gereinigt, wie etwa anlässlich von 80. Jahren Kriegsende. Vorbereitend setzen sich die Schüler:innen intensiv mit dem Thema Shoah auseinander. 

„Klasse 8 ist heute interessehalber ebenfalls dabei“, erläuterte Schulleiterin Petra Ahrenholz das zahlreiche Erscheinen der Langeooger Jugendlichen, die dem traurigen Gedenktag durch Auswahl und Vortrag passender Texte die angemessene Würde verliehen. Zuvor hatte Peter Wettstein, der 2. Vorsitzende des Langeooger Heimatvereins, einige Erläuterungen zu Familie de Heer gegeben und zu dem, was sie unter dem Nazi-Regime auf Langeoog an Ächtung, Ausgrenzung, Diffamierung und weiteren Repressalien ertragen mussten. Das Beispiel der Familie de Heer zeige, dass der Holocaust auch auf Langeoog „kein abstraktes Thema“ war; auch auf der Insel gab es unmittelbar Leidtragende des menschenverachtenden Regimes, auch wenn Familie de Heer zum Glück im niederländischen Exil überlebte. 

„Wir denken heute an ein sehr dunkles Kapitel der deutschen Geschichte“, mahnte Peter Wettstein, dennoch sei es wichtig, die Erinnerung am Leben zu erhalten — auch im Hinblick auf aktuelle weltpolitische Entwicklungen. Vieles davon könne Angst machen; dennoch wolle er den Jugendlichen zurufen: „Kopf hoch — gemeinsam können wir dafür kämpfen, dass solche Zeiten nicht wiederkommen.“

Wie wichtig es ist, sich auch heute noch mit diesen (Lebens-)Geschichten zu beschäftigen, zeigten auch die von den Schülerinnen und Schülern vorgetragenen Texte: Die Wahrheit über die Schrecken der Shoah müsse auch nach dem Tod der letzten Zeitzeug:innen bewahrt werden. Sie erinnerten dabei neben den verfolgten und ermordeten jüdischen Mitbürger:innen auch an alle anderen Opfer des NS-Terrors wie Menschen mit Behinderung, Kommunisten, Geistliche, homosexuelle und transidente Menschen, Sinti und Roma, Regimekritiker:innen oder als „asozial“ gebrandmarkte Personen wie Obdachlose und Suchtkranke.

Schulleiterin Petra Ahrenholz betonte, dass dieser Gedenktag nicht nur der Mahnung und Erinnerung diene, sondern zugleich eine Aufforderung sei, sich aktiv gegen Diskriminierung, Ausgrenzung und menschenverachtende Ideologien einzusetzen. „Gedenken darf nicht bei der Erinnerung verharren“, schlussfolgerte Petra Ahrenholz: „Wichtig sind die Lehren, die wir daraus für die Zukunft ziehen“. 

Die Gedenkstunde ließ sie mit einem Zitat des rumänisch-amerikanischen Holocaust-Überlebenden und Schriftstellers Elie Wiesel (1928-2016) ausklingen.

„Die Frage, die uns die Überlebenden stellen, ist nicht, was wir über die Vergangenheit wissen, sondern was wir mit diesem Wissen tun.“

Ein Wort des Kulturstaatsministers zum Internationalen Holocaust-Gedenktag sowie weitere Hintergründe dazu findet man hier.

Mayk Opiolla

Schülerinnen und Schüler und Heimatverein gedachten der Holocaust-Opfer

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